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Faszien - Gewebe des Lebens

Seit einigen Jahren sind Faszien in aller Munde. Gehörten Schwingen, Federn und dynamisches Dehnen im Zeitgenössischen Tanz oder in der Rhythmischen Gymnastik immer schon dazu, so erleben die genannten Bewegungsformen heute ein regelrechtes Comeback. Zu Recht!


Faszien bestehen aus 80% Wasser. Sie sind anpassungs- und gleitfähig.


Die Forschung der letzten 15 Jahre hat Erstaunliches über das lange Zeit vernachlässigte Gewebe zu Tage gebracht. Heute weiss man, dass Faszien nicht bloss leblose Hüllen und Füllmaterial sind, sondern ein körperweites, kommunikatives Spannungsnetzwerk darstellen, welches zu unserer Form, unserer Gesundheit, unserer Wahrnehmung, inneren Einstellung sowie zu Haltungs- und Bewegungsmustern beiträgt (vgl. Gurtner 2015: 12). Wie der Therapeut und Experte Peter Schwind beschreibt, sind sie „angefangen von den ersten Stunden des Embryos bis ins hohe Alter das Bindeglied zwischen allem, was unseren Körper und unsere Person ausmacht“. Kurzum: „Sie sind das Gewebe des Lebens“ (Schwind 2015: 16). Mit ihrem grossen Wasseranteil sind die Faszien vergleichbar mit einem inneren Ozean. Sie umspülen sozusagen alle Muskeln, Sehnen, Knochen, Organe, Gefässe, Nerven, sogar das Gehirn und das Rückenmark. Wie das Meer mit all seinen Bewohnern strotzen auch die Faszien vor Leben (vgl. Gurtner 2017: 4).


In den drei Jahren Ausbildung an der Schule für Bewegung konnte ich diese Lebendigkeit von Tag zu Tag mehr spüren. Rückblickend ist mir bewusst geworden, dass insbesondere der Zeitgenössische Tanz die wunderbaren Qualitäten der Faszien zum Vorschein bringt. Das Schweben, Gleiten, Rollen, Drehen, Abspringen, Loslassen, Auseinanderziehen, Zusammenziehen resultiert tatsächlich zu einem Grossteil aus den Faszien. Das mag auf den ersten Blick verrückt erscheinen, ist inzwischen jedoch wissenschaftlich belegt. Klar, die Muskulatur muss arbeiten und das Gehirn die Koordination steuern. Doch das Wunderwerk der menschlichen Bewegung verrichten die Muskeln nicht alleine. Die Faszien mit ihren besonderen Eigenschaften sorgen für geschmeidige, gut koordinierte und leicht aussehende Bewegungen. Es lohnt sich also, regelmässig auf die Matte zu kommen und diesem natürlicherweise lebendigen Gewebe die wohlverdiente Aufmerksamkeit zu schenken.


Autorin: Mariette Inderbitzin




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